
05.10.26 –
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Bernhard,
Sehr geehrte Mitarbeitende der Stadtverwaltung,
Sehr geehrte Mitglieder des Gemeinderates,
Kinderbetreuung ist weit mehr als eine soziale Leistung: Sie schafft die Voraussetzung dafür, dass
Eltern berufstätig sein können, und ist damit zugleich ein wichtiger Standort- und
Wirtschaftsfaktor für unsere Stadt.
Die geplante Anpassung der Elternbeiträge für die Kindertagesbetreuung sehen wir mit großer
Sorge. Uns ist bewusst, dass die Stadt Tamm vor erheblichen finanziellen Herausforderungen
steht und dass insbesondere die Personal- und Energiekosten im Bereich der Kinderbetreuung
einen großen Anteil der kommunalen Ausgaben ausmachen.
Dennoch sollten wir bei allen notwendigen Konsolidierungsmaßnahmen die langfristigen
Auswirkungen auf Kinder, Familien und pädagogische Fachkräfte berücksichtigen.
Die Betreuungskosten steigen seit Jahren an und die wiederholte Erhöhung der Gebühren führt
dazu, dass Kinderbetreuung für Familien zunehmend zu einem erheblichen monatlichen
Kostenfaktor wird.
Um in Zahlen zu sprechen: Eine Familie mit einem Kind im U3-Bereich zahlte im Jahr 2024 noch
544 Euro pro Monat - heute sind es 628 Euro, ein plus von 84 Euro im Monat. Dazu kommen noch
die Verpflegungskosten, welche ebenfalls mit jährlicher Regelmäßigkeit angehoben werden.
Familien mit mehreren Kindern sind davon besonders betroffen. Zwar berücksichtigt das Tammer
Gebührenmodell eine Sozialstaffelung, dennoch sind mehrere Betreuungs- und
Verpflegungskosten zeitgleich eine monatliche Belastung, die nicht zu unterschätzen ist.
Eine sozial ausgewogene Gebührenpolitik sollte deshalb nicht nur die Einnahmenseite der Stadt
betrachten, sondern auch die tatsächliche Belastung für die Familien.
Besonders kritisch sehen wir eine pauschale Erhöhung, weil sie Familien unterschiedlich stark
trifft. Die, die aktuell bereits die höchsten Gebühren zahlen, werden am stärksten belastet. Für
eine Familie mit hohem Einkommen mag eine zusätzliche finanzielle Belastung möglicherweise
leichter aufzufangen sein als für eine Familie, deren monatliches Budget ohnehin knapp kalkuliert
ist.
Ein weiteres Argument, das in der Diskussion um die Kita-Gebühren immer wieder angeführt wird,
ist die Möglichkeit, alternativ beim Personal einzusparen. Diesen Ansatz halten wir für falsch, da
die zu erwartenden Mehreinnahmen von 11.500 Euro nicht einmal dem jährlichen
Personalaufwand für EINE Vollzeitstelle entspricht.
Die pädagogischen Fachkräfte sind das Herzstück unserer Kindertageseinrichtungen. Sie
begleiten die Kinder in ihrer Entwicklung, geben ihnen Sicherheit, schaffen stabile Beziehungen
und legen wichtige Grundlagen für das weitere Leben.
Gerade in den ersten Lebensjahren sind verlässliche Bezugspersonen, feinfühlige Begleitung und
ausreichend Zeit für jedes einzelne Kind von besonderer Bedeutung. Eine Reduzierung des
Personalschlüssels oder der zusätzlichen personellen Ressourcen birgt deshalb das Risiko, dass
die pädagogische Qualität und die individuelle Förderung der Kinder beeinträchtigt werden.
Ein möglicher Qualitätsverlust in unseren Kitas wäre ein zu hoher Preis für die kurzfristige
finanzielle Entlastung des städtischen Haushalts.
Hinzu kommt, dass eine höhere Belastung der Fachkräfte langfristig auch die Arbeitszufriedenheit,
die Gesundheit und die Bindung des Personals an die Einrichtungen beeinträchtigen kann. In
Zeiten des Fachkräftemangels sollten wir vielmehr daran interessiert sein, gute
Arbeitsbedingungen zu schaffen und qualifiziertes Personal langfristig zu halten.
Für eine sachgerechte Bewertung der geplanten Anpassung halten wir es für notwendig die
tatsächliche Betreuungsituation in unseren Kindertageseinrichtungen zu kennen. Ich hatte deshalb
bei der Stadtverwaltung auch um entsprechende Informationen gebeten, welche mir zum
Zeitpunkt der Erstellung dieser Stellungnahme leider noch nicht vollumfänglich vorliegen. Ich
möchte ausdrücklich betonen, dass ich der Verwaltung die notwendige Zeit zur
Zusammenstellung der Daten zugestehe. Gleichzeitig halte ich diese Informationen für eine
wesentliche Grundlage unserer politischen Entscheidung. Wenn wir über die Finanzierung der
Kinderbetreuung, mögliche Einsparungen beim Personal und die Auswirkungen auf die
Betreuungsqualität entscheiden, sollten uns die dafür notwendigen Kennzahlen vollständig und
transparent vorliegen.
Frühkindliche Bildung ist keine beliebige Haushaltsposition, bei der kurzfristig Einsparungen
vorgenommen werden sollten. Sie ist eine Investition in die Entwicklung unserer Kinder, in die
Zukunft unserer Gesellschaft und in die Attraktivität unserer Stadt als familienfreundlicher Wohnort.
Kategorie
Der Ortsverband Bietigheim-Bissingen und die Grüne Liste Sachsenheim laden herzlich zum zweiten Grünen Filmabend im Alten Kino Bissingen ein. 📅 Mittwoch, 14. Oktober [...]
Mehr
Der Weinbau steht vor großen Veränderungen: Klimawandel, Trockenheit und Wetterextreme stellen die Bewirtschaftung vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig führen [...]
Mehr145. Gemeinderatssitzung vom 05.10.2026 Sitzungsvorlage…
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Bernhard, Sehr geehrte Mitarbeitende der Stadtverwaltung, Sehr…
Dabei braucht Demokratie doch Begegnung. Aber wo begegnen wir uns eigentlich noch? Darum ging…
Demokratie fehlt Begegnung: Schwimmbäder, Jugendclubs, Bibliotheken oder Sportvereine werden…
Größer könnte der Gegensatz nicht sein: vorn auf der Leinwand die überragende Meryl Streep in der…
144. Gemeinderatssitzung vom 27.07.2026 Sitzungsvorlage…
Stellungnahme zum TOP 4, „Bebauungsplanverfahren Löwenherzschule“ Sehr geehrter Herr…
In der vergangenen Gemeinderatssitzung durften wir unsere langjährige Fraktionsvorsitzende Karin…
im Kleinkunstkeller in Bietigheim
Auf der Kreismitgliederversammlung wurde die Vorsitzende des OV Tamm, Ingrid Aumaier und…
Für den Flohmarkt 2026 gab das Wetter, was es im April so gut kann: Wärme und Sonnenschein.…
Die Bundesregierung will ihre Sozialreformen vom Sommer voranbringen. Doch der Widerstand wächst – bei Familien, in der Gesellschaft und auch [...]
Deutschlandweit wird am 26. September demonstriert. Egal ob Du selbst betroffen bist, als Beschäftigte*r, Unternehmer*in eines [...]
Die Mieten bei Neuvermietungen steigen gerade in Ballungszentren trotz der existierenden Mietpreisbremse immer stärker an. Hohe Mieten werden [...]